„Fledermauswanderung“

Am Ostermontag um 20.00 Uhr konnten Interessierte ein ganz besonderes Event wahrnehmen.

Auf Initiative von Pro Reinfeld veranstaltete der NABU Reinfeld/Nordstormarn eine Fledermaus-Sichtung an der Dröhnhorst.
Frau Reichle, Fledermausfachfrau, führte die Veranstaltung mit Kompetenz und großem Fachwissen. Ihr zur Seite standen Frau Apel (Fledermausnotstelle Reinfeld) und ein Praktikant des NABU.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde in einer kurzen Einführung einiges an Wissen vermittelt:

In Deutschland sind 24 verschiedene Fledermausarten heimisch.
Im Bereich Reinfeld sind zu beobachten:
Der große Abendsegler, die Breitflügelfledermaus, die Mückenfledermaus, die Zwergfledermaus und, spät abends, die Wasserfledermaus.
Außerdem sind nur(!) im Naturwals Steinkampsholz Bart- und Fransenfledermäuse ansässig.
Fledermäuse können, je nach Art, durchschnittlich 6-15 Jahre alt werden, einige erreichen sogar ein Alter von bis zu 30 Jahren.
Jede Fledermaus fängt pro Nacht rund 3.000 Insekten.
Und während die Zwergfledermaus nur wenige Gramm wiegt und die ungefähre Größe eines Daumens erreicht, ist der Große Abendsegler mit 40cm Flügelspannweite fast so groß wie ein Vogel und wurde zu Beginn der Sichtung auch prompt von den Teilnehmern entsprechend verwechselt.

Breitflügelfledermäuse sind vorwiegend in Parks und Gärten zu finden, Zwergfledermäuse an Wanderwegen und sie sind, wie die Mückenfledermäuse, vegetationsgebunden. Die Wasserfledermaus kann man spät abends über dem Wasser beobachten.

Die Balz der Fledermäuse und die Paarung erfolgen im Herbst, danach tritt eine Keimruhe ein. Die Befruchtung findet im darauf folgenden Frühjahr statt, und im Mai werden die Jungen geboren.
Die Jungtiere leben mit ihren Müttern in Quartieren, auch Wochenstuben genannt.

Mit Fledermausdetektoren und den entsprechenden Ultraschallfrequenzen ausgestattet, ging es im Anschluß zur Sichtung die Dröhnhorst entlang.
Trotz relativer Kälte und Wind waren alle Teilnehmer überrascht und sehr erfreut, dass sofort verschiedene Arten von Fledermäusen nicht nur anhand ihrer Frequenzen gehört wurden, sondern auch zu sehen waren.

Eine Gruppe von 6-8 Zwergfledermäusen konnten im Bereich des alten Schweinestalls am Bauernhof festgestellt werden, so dass Frau Reichle den Hinweis auf eine mögliche Kinderstube gab.

In diesem Zusammenhang stellte sie in Aussicht, bei der Sparkassenstiftung eine Nachfolgeuntersuchung zum Bestand der Bart- und Fransenfledermäuse im Steinkampsholz zu beantragen, da die letzte Untersuchung und Zählung 10 Jahre zurück liegt.

Im Verlauf der Wanderung wurde auf dem Messingschläger Teich kurz der Bestand der verschiedenen Enten ermittelt und es wurde von verschidenen Teilnehmern auf die Wildgänse hingewiesen, die dieses Jahr zum 1.mal dauerhaft am Teich verweilen und auch bereits mit Nachwuchs gesichtet wurden.
Frau Reichle wies in diesem Zusammenhang auf die wohl günstige Lebenssituation für die Wildgänse auf der anderen Teichseite hin, einem Flora-Fauna-Habitat.
Auch wurde angemerkt, dass der Landwirt den entsprechenden Aufenthaltsbereich großzügig schont.

Die Fledermaussichtung endete mit einem Gespräch über das Insektensterben, was nicht nur die heimische Vogelwelt, sondern auch die Fledermäuse trifft.
Durch die agraische Prägung des Kreises verschwinden durch den Einsatz von Insektiziden und Pestiziden in der Landwirtschaft immer mehr Randstreifen und Feldränder, die die „Verbindungsstraßen“ der Insekten sind.

Wir, die Bürgerinitiative Pro Reinfeld, bedanken uns hiermit vielmals bei Frau Reichle und ihren Mitstreitern vom NABU Reinfeld/Nordstormarn für die hochinteressante Führung!

S. Wiege

 

 

 

Und noch ein paar Impressionen von diesem wunderbaren Abend am See:

 

 


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