Stellungnahme für den Landschaftsrahmenplan

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, SRTM | Kartendarstellung: © OpenTopoMap (CC-BY-SA)

Die Landschaftsrahmenpläne I, II, III, IV und V aus den Jahren 1998 bis 2005 sind aufgrund der Neufassung der Planungräume in Schleswig-Holstein sowie wegen neuer Entwicklungen neu aufgestellt, bzw. aktualisiert und fortgeschrieben worden. Der Entwurf für den Planungsraum III, zu dem der Landkreis Stormarn gehört, liegt jetzt in Text und Karten vor.
Die Landschaftsrahmenpläne enthalten Ziele, Erfordernisse und Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege auf regionaler Ebene.

Da das Landesplanungsgesetz eine Beteiligung der Öffentlichkeit an raumordnerischen Verfahren vorsieht, lag der Landschaftsrahmenplan III im Zeitraum von Oktober 2018 bis zum 28. Februar 2019 zur Einsicht im Internet aus.
Hier konnten neben Behörden, Interessensverbänden und sonstigen Trägern öffentlicher Belange auch Bürger Stellung nehmen.
Wir wollten als geschlossene Gruppe Pro Reinfeld eine Stellungnahme abgeben, aber dies war nicht möglich, da wir weder eine eingetragene Interessensgruppe, noch ein eingetragener Verein sind.
Darum haben wir jeder eine eigene Stellungnahme abgegeben. In diesem Artikel sollen nun die Inhalte der Stellungnahmen wiedergegeben werden.

Der Landschaftsraum

Reinfeld, die Karpfenstadt, ist eine Kleinstadt und ein staatlich anerkannter Erholungsort vor den Toren Lübecks und Hamburgs. Das Stadtgebiet ist durch zahlreiche Teiche, die vor hunderten von Jahren von Mönchen angelegt wurden, geprägt.
Das Reinfelder Wappentier, der Karpfen, wird neben anderen Fischarten noch heute in den Teichen aufgezogen.
Weiter prägend ist der Staatsforst Reinfeld, südlich und nördlich der Segeberger Straße.
Die Forstgebiete und der Landschaftsraum zwischen den Forstgebieten und der Stadt sind als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen, obwohl die Flächen intensiv landwirtschaftlich als Ackerfläche bewirtschaftet werden.

Das südlich der Segeberger Straße gelegene Teilgebiet des Staatsforstes ist durch zahlreiche Biotopflächen, mit Kleingewässern, Beken und Bachschluchten, die mit Unterbrechungen bis zum Messingschläger Teich (westlich der Ortschaft) reichen, gekennzeichnet.Der Bereich zwischen dem Teich und der Ortsgrenze nördlich des Bahndammes enthält Niedermoorbänder und ein gesetzlich geschütztes Biotop.
Südlich des Niedermoorzuges sind Reste des Kupferteiches, der von den Zisterzienser Mönchen angelegt wurde, zu erkennen.

 

 

 

Fließgewässer

Von den Voßkatener Niederauen und dem Staatsforst Reinfeld kommend durchfließt die Piepenbek den Schwarzen Teich und anschließend den Messingschläger Teich. Nach dem Teich durchfließt die Piepenbek als kleiner Bach die Wiesen-Aue bis zur Trave.

 

 

 

Messingschläger Teich

Der Messingschläger Teich dient seit vielen Jahrhunderten der Fischerei, zunächst von den Mönchen, die Reinfeld gegründet haben, angelegt, dann seit Jahrzehnten von verschiedenen Fischereibetrieben bewirtschaftet.


Aufgrund des reichlichen Nahrungsangebotes ist der Teich für zahlreiche Wasservögel, wie z.B. Fischreihern , Kranichen , Singschwänen und auch Kormoranen, ein wichtiger Lebensraum. Bei den Zugvögeln allerdings nur zeitweise. Wenn sie denn da sind, sammeln sie sich sowohl im Herbst, als auch im Winter rund um den Teich

Östlich des Messingschläger Teiches brüten zahlreiche Vögel, und andere halten sich am Teich auf.
Dies ist z.B. ein Brutgebiet von Fasanen, Staren und dem Feldsperling. Die Stare, die sich im Herbst in den Büschen sammeln, zelebrieren in den Abendstunden eine imposante Flug-Show.
Ein Seeadlerpaar, welches im Naturwald Steinkampsholz brütet, hält sich hier häufig auf, um mit seinem Nachwuchs zu jagen.
Im Sommer stehen im Bereich des Teiches ganze Schwärme von Insekten, die den Vögeln und Fledermäusen als Futterquelle dienen.
So ist der Teich ein wichtiges Jagdrevier verschiedener Fledermausarten.
Seit Neuem gehört auch der Feldhase zu den Anwohnern im Gebiet rund um den Teich.
Es hat sich, seitdem die Uferzonen des Teiches durch die Land- und Teichwirtschaft nicht mehr ausgemäht werden, eine große Artenvielfalt entwickelt.

Die schmalen Schutzstreifen um den Teich herum bieten aufgrund der nahen, intensiv genutzten Ackerflächen und dem südlich des Teiches gelegenen Landwirtschaftsbetriebes nur einen eingeschränkten Lebensraum.

 

Knick an der Dröhnhorst

Im Siedlungsbereich des Dröhnhorster Weges befindet sich auf der Ostseite ein uralter Knick.
Eine Wallhecke, die absolut schützenswert ist und keinesfalls durch eine andere Neuanpflanzung ersetzt werden kann.
Außerdem stehen hier auch unter Schutz stehende Einzelbäume.

 

Ehemalige Mülldeponie

Südlich der Reihenhäuser an der Hamburger Straße befindet sich in der Ackerfläche eine Senke, die sich in den Wintermonaten mit Wasser füllt. Die Staunässe als kleiner Teich hält sich bis in das späte Frühjahr. Für die Wasservögel ist dies eine gute Gelegenheit, hier zu rasten und das Nahrungsangebot zu nutzen.

 

Darstellung im Landschaftsrahmenplan der Stadt Reinfeld

Im Landschaftsplan der Stadt Reinfeld sind die Flächen als Entwicklungsfläche des Niedermoorzuges als mögliche Ausgleichsflächen und naturnahe Entwicklungsflächen am Fließgewässe (Piepenbek) ausgewiesen. Einschließlich der Schutzzonen am Messingschläger Teich ist hier die Schaffung eines wertvollen Biotopverbundes vorgesehen.
Die Flächen zwischen dem Messingschläger Teich und dem Staatsforst mit ihren Kleingewässern und Bachschluchten sind im Landschaftsplan als besondere Fläche für den Biotopverbund vom Staatsforst in Richtung Piepenbek vorgesehen. So soll auch hier eine Übergangsfläche vom Messingschläger Teich zum Staatsforst hergestellt werden.
Der Knick am Dröhnhorster Weg ist als vorrangiges Objekt für den Naturschutz eingetragen.

Besonderheiten in diesem Landschaftsraum

Südlich der Ackerfläche zwischen dem Messingschläger Teich und dem Staatsforst erstreckt sich von der Segeberger Straße über den Dröhnhorster Weg bis zum Staatsforst ein Wander- bzw. Pilgerweg.
Auf diesem Weg sind unter anderem der Jacobsweg (Via Baltica) und der Stormarnweg gekennzeichnet.
Ebenso ist der Weg als Kirchweg bekannt, den jahrhundertelang die Menschen nutzten, um sonntags zur Kirche zu gelangen.
Die Wanderwege haben nicht nur geschichtliche Bedeutung, auch erschließen sie hier wertvolle Lebensräume für die Naherholung.

Pläne der Stadtpolitik und Verwaltung

Die Stadt Reinfeld strebt an, weitere größere Flächen des Landschaftsraumes in Baugebiete umzuwandeln.
In den letzten fünf Jahren sind mehrere Baugebiete entstanden, z.B. Obstgarten, Sandkoppel, Pommerweg. Zusammen sind das ca. 12 ha.
Die damit einhergehende Flächenversiegelung ist ein großer Verlust für die Natur, den auch schön angelegte Gärten nicht ausgleichen können.

Unsere Ziele und Wünsche zum Erhalt bzw. zur Entwicklung der Landschaft für den Naturschutz

Wir bitten, diesen wertvollen Landschaftsraum mit seinen Entwicklungsmöglichkeiten entsprechend des Landschaftsplanes der Stadt Reinfeld derart in den Landschaftsrahmenplan aufzunehmen, dass

  • Ein Biotopverbund zwischen Herrenteich, Schwarzer Teich, Messingschläger Teich und Traveniederung entsteht
  • Zwischen Messingschläger Teich und dem westlichen Ortsrand Ausgleichsflächen als Entwicklung der Piepenbek-Au und ein Biotopverbund gesichert wird
  • Die Flugrouten der Fledermäuse zwischen den Teichflächen und zur Trave gesichert werden
  • Die Ackerfläche zwischen Messingschläger Teich und dem Staatsforst, der südlich der Segeberger Straße bereits als Naturwald ausgewiesen ist, als lockere Wald- und Weidefläche entwickelt wird
  • Nicht nur die Uferbereiche als Naturfläche ausgewiesen werden, sondern auch umliegende Ackerflächen mit dem Naturwald Steinkampsholz einbezogen werden
  • Der Bereich vom Wald bis zur Ortsgrenze als Naturschutzgebiet ausgewiesen wird, da dies der letzte noch erhaltene freie Naturraum, in dem der Teich, offene Flächen, vereinzelte Bäume und der nahe Naturwald Steinkampsholz die perfekte Möglichkeit für den Naturschutz bieten.

 

W. Lemke

 

 

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