Ausbau Dröhnhorster Weg?

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Das ist der Teil des Dröhnhorster Weges, um den es geht. Dies soll verschwinden?

 

Für den Ausbau müssten zunächst mehrere kleine Häuser abgerissen werden — Um Raum zu schaffen für etliche, sehr teure Einfamilienhäuser, fällt zunächst einmal einiges von dem wenigen vorhandenen preiswerten Wohnraum in Reinfeld weg.

 

                                        

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für den Ausbau ist des Weiteren ein großer Kreisel an der Kreuzung Hamburger Straße-Segeberger Straße geplant. Dieser Platz ist aber durch die vorhandene Bebauung und die Teiche begrenzt – wie sollen da große LKWs durchfahren können?

Sowohl der Bau des Kreisels, als auch der Ankauf und Abriss der alten Häuser am Dröhnhorster Weg werden Millionen kosten. Wie will eine Kleinstadt ohne Haushalt dies überhaupt finanzieren? Über erhöhte Steuern?  Oder über noch mehr Schulden?  Reinfeld steht jetzt schon mit zwei Millionen Euro in der Kreide.

Für die verbleibenden Anwohner des Weges würde allein der Ausbau eine über viele Monate andauernde, erhebliche Lärm- und Schmutzbelastung bedeuten.

Und am Ende würden sie plötzlich an einer großen Hauptverkehrsstraße leben müssen.
Sicherlich würde der eine oder andere eine Klage gegen die Stadt in Betracht ziehen.

 

Auch aus Sicht des Natur- und Umweltschutzes wäre der Ausbau eine Katastrophe.

 

 

Über etwa 100 Meter entlang des Dröhnhorster Weges erstreckt sich ein alter Knick, der ebenfalls zerstört werden würde. Er ist bewachsen von vielen Sträuchern und etlichen sehr alten Bäumen, unter anderem von einem uralten Walnußbaum und einer wunderschönen, besonders schutzwürdigen alten Eiche.

 

 

 

 

 

Alte Knicks (oder Wallhecken) sind laut Wissenschaft ein ebenso wertvolles Ökosystem und genauso artenreich, wie der Regenwald! Was übrigens in den Erläuterungen zum Flächennutzungsplan durchaus offiziell auch in Reinfeld gilt.

Es ist von der Stadt zwar geplant, einen neuen, umzäunten Knick zu erstellen, aber ein über Jahrzehnte gewachsener Knick kann nicht einfach umgesiedelt werden.

 

So eine alte Wallhecke ist Lebensraum unzähliger Kleintiere, Vögel und Insekten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bäume brauchen viele Jahre, um auf eine für Tiere wirklich nutzbare Größe zu wachsen!

Schleswig-Holstein ist laut Stiftung Naturschutz führend im Artenschwund.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Ausbau des weiteren Dröhnhorster Weges wäre ein Desaster für den Lebensraum Messingschläger Teich.

 

In dem Bereich am und im Teich leben unter anderem vom Aussterben bedrohte Tiere, die bereits auf der Roten Liste stehen, wie der Seeadler, Rotmilan, Stare, Eulen, verschiedene Libellenarten, wie der ebenfalls vom Aussterben bedrohte „Kleiner Blaupfeil“, Rebhühner, Feldsperlinge.

Im Sommer sieht man am Ufer große Wolken von Insekten – die ebenfalls für das Überleben der Vögel und des gesamten Ökosystems lebensnotwendig sind.

Allein durch die Bauarbeiten würden Dreck und Bauabfälle in das sensible Ökosystem eingetragen werden. Bei jedem Regen würde etliches davon durch das Landschaftsgefälle in den Uferbereich und den See hinein gewaschen werden. Und im täglichen Betrieb würden Reifenabrieb, Abgase und aus dem Fenster geworfener Müll dazukommen.

Auch der Lärm und die Erschütterungen würden die Tiere vertreiben.

 

 

Oder plant man, dann einfach Erde auf den Teich draufzuschütten und zu “vergessen”, wie bei der alten Müllkippe am Dröhnhorster Weg?

Dort wurde schon einmal ein ehemaliger Teich, der Sanderteich, einfach mit Müll verfüllt. Etliche Jahre wurde alles an Hausmüll und sogar Gewerbemüll (wie z.B. Farben und Lackdosen und komplette, alte Motorblöcke) einfach hineingekippt. Im derzeit gültigen Flächennutzungsplan ist dieses Gebiet als Fläche, deren Boden erheblich(!) mit umweltgefährdenden Stoffen belastet ist, ausgewiesen.

Diese alte Müllkippe war sehr groß, wie man auf diesem Bild aus dem Kreisarchiv Stormarn von Ende der 60er Jahre sieht:

 

Noch heute kommen 40 Jahre alte Plastikflaschen, Tassen, Glasflaschen, Bauschutt und anderer Abfall der alten Müllkippe bei jedem Pflügen ans Tageslicht und werden durch die Bodenbearbeitung hunderte Meter weit über das gesamte Feld verteilt.

Hier sind nur einige der alten Abfallstücke, die man bei einer Begung des Feldes sofort sieht:

Sollte der Dröhnhorster Weg als zweispurige Straße ausgebaut werden,  wird man unumgänglich die alte Mülldeponie anreißen müssen. Das ist, als wenn man die Büchse der Pandora öffnen würde. Und will man das dann einfach erneut zuschütten und die neuen Häuser stehen dann daneben?

 

In der Weiterführung der Straße würde ein weiteres, eingetragenes Naturdenkmal fallen, eine etwa 120 Jahre alte Rotbuche.

 

Danach würde ein altes Arbeiterhaus abgerissen werden – noch mehr vernichteter, preiswerter Wohnraum, zwei weitere Familien würden auf der Straße stehen.

In Zeiten, in denen allerorts, in sämtlichen Zeitungen und auf allen Kanälen Umweltschutz angemahnt wird und in denen wir den Klimawandel auch hier schon ganz deutlich spüren, soll ein großes Stück intakter Umwelt zugunsten einiger weniger vernichtet werden?

Wobei die neuen, stolzen Hauseigentümer vielleicht auch beim ersten Starkregenereignis wenig Freude hätten, weil das Gelände zur Bahn hin stark abfallend ist und zudem noch moorig.

Sämtliche neuen Baugebiete in Reinfeld der letzten zehn Jahre entstanden für Einfamilienhäuser. Auch die Dröhnhorst ist dafür geplant, siehe den jetzt gültigen Bebauungsplan (Ein Link zum Nachlesen ist unten).

 

Die Dröhnhorst ist ein sehr beliebtes Naherholungsgebiet für viele Reinfelder. Bei jedem schönem Wetter sieht man ganze Familien, auch mit Kinderwagen, dort spazieren gehen. Auch viele Rentner, die langsam den Weg entlangspazieren, am See die Vögel betrachten, und ein Schwätzchen mit anderen Spaziergängern halten. Im Winter bei Schnee sind sogar Skilangläufer unterwegs. Jeder erholt sich dort vom Lärm und den Abgasen aus der Stadt. Sogar aus den umliegenden Orten kommen sie hierher, um sich zu entspannen und die schöne, offene Landschaft zu genießen.

Man sieht auch etliche Pilger, die, mit Rucksack auf dem Rücken, diesem schönen Teil des Jacobsweges folgen.

Ohne dieses Naherholungsgebiet hätten die Einwohner des süd-westlichen Reinfelds lange Wege bis zur nächsten Möglichkeit, sich zu entspannen. Meist müßte das Auto benutzt werden. Aber was machen dann Menschen ohne Auto?

Alle Reinfelder Parteien schreiben sich Natur- und Umweltschutz auf die Fahnen – aber was bleibt davon, wenn man wirklich mal etwas tun sollte? Das sind anscheinend Lippenbekenntnisse, mehr nicht.

Vielleicht hat sich der eine oder andere ja schon sein Grundstück vorreserviert oder ausgeguckt?

In den Erläuterungen zum Flächennutzungsplan steht einiges, was den jetzigen Stadtverordneten offensichtlich völlig fremd ist, zum Beispiel, dass die Gebiete im Westen und Norden der Stadt weiter für die Naherholung erschlossen werden sollen.

Oder dass bei der Ausweisung neuer Bauflächen die vorhandenen Erholungspotentiale zu berücksichtigen sind.

Oder das Reinfeld durch die waldreiche und landschaftlich reizvolle Umgebung einen großen Zuspruch als Wohn- und Freizeitgemeinde habe und deshalb die Erhaltung der die Stadt umgebenden Landschaft hohe Priorität habe.

Oder dass der Verbrauch von Landschaft, insbesondere durch Versiegelung des Bodens, auf das notwendige Maß zu beschränken sei. – Ist es denn “notwendig”, Hamburgs Probleme mit zu teurem Wohnraum zu lösen, indem wir unsere Landschaft kaputtmachen?

Immerhin sind wir noch immer staatlich anerkannter Erholungsort. Aber wo soll man sich denn noch erholen können, wenn jeder grüne Quadratmeter zugebaut wird und sich immer mehr Menschen hier drängen?

Geben Verwaltung und Politik erst dann Ruhe, wenn Reinfeld 20.000 Einwohner hat und es keine Spur von Grün mehr gibt? Wollen wir wirklich in so einer Stadt leben?

 

Am 6. Mai 2018 fanden in Reinfeld Kommunalwahlen statt. Neue, ausgedehnte Baugebiete oder die Frage “Soll Reinfeld wachsen?” waren im Vorwege der Wahlen kein Thema.

Am 31. Mai 2018 hat dennoch der Ausschuss für Stadtentwicklung der alten Wahlperiode beschlossen, das Gebiet Dröhnhorst/Kalkgraben in einem neuen Flächennutzungsplan als Bauland auszuweisen.

Dieser Beschluss wurde vom Stadtentwicklungsausschuß am 22. Oktober 2018 vernünftigerweise aufgehoben! Nun soll die Verwaltung zunächst prüfen, welcher Bedarf an neuem Wohnraum tatsächlich besteht und welche Möglichkeiten der Innenraumverdichtung bestehen.

Öffentlich, wie auf der Einwohnerversammlung, wird viel kommuniziert, während der Prozess im Hintergrund anscheinend weiterläuft. Es werden längst Gespräche mit Investoren geführt, obwohl noch gar nicht klar ist, welche Möglichkeiten es sonst gibt.

Pro Reinfelds Ziel ist es daher, dass die Politik VERBINDLICH erklärt, alle Bebauungspläne für die Dröhnhorst fallen zu lassen.

 

Die Politik in Reinfeld wiederspricht sich wiederholt selbst: einerseits sollen im geplanten, neuen Baugebiet Mehrfamilienhäuser gebaut werden (mit vielen, neuen Einwohnern, die wiederum die jetzt schon sehr angespannte Verkehrslage mit ihren Autos verschärfen würden), andererseits sollen dort nur relativ wenige neue Einwohner wohnen (also doch nur Einfamilienhäuser für Gutbetuchte?)

Einerseits soll das neue Gebiet 2019 aufgekauft werden und ein Planungsbüro mit der Erstellung von Gutachten zur Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit beauftragt werden – andererseits soll es 15 bis 20 Jahre dauern, bis alles umgesetzt wird. Ob das wohl der Investor mitmacht?

Einerseits wurde uns vorgeworfen, wir hätten ja schon viel früher zu den Sitzungen im Rathaus gehen können – andererseits wurde bis jetzt in jedem Ausschuß jede Besprechung, die die Dröhnhorst betrifft, in den nichtöffentlichen Teil geschoben.

Man könnte den Eindruck haben, dass hier irgendwelche Geschäfte im Hintergrund laufen, die nicht publik werden sollen.

 

 

Quellen:

Altes Luftbild: Kreisarchiv Stormarn, Open Source, Alte Luftbildaufnahme

Flächennutzungsplan: http://www.stadt-reinfeld.de/bauleitplanung/rechtskraeftige-Bebauungsplaene-und-aenderungen/BPL-21-Gebiet-Segeberger-Str-Am-Messingschlaeger-Teich-Droehnhorster-Weg/BPL-21-2-aend-Teilflaeche-suedoestl-Droehnhorster-Weg/21-2%20-%20Begruendung.pdf

Erläuterungen zum Flächennutzungsplan: Reinfeld_LPL_Erlaeuterung, Text.pdf

Hochwassergebiet unterer Kalkgraben/B75: Hochwasserkarten und anderes

Jetzt gültiger Bebauungsplan Dröhnhorst: http://www.stadt-reinfeld.de/bauleitplanung/rechtskraeftige-Bebauungsplaene-und-aenderungen/BPL-21-Gebiet-Segeberger-Str-Am-Messingschlaeger-Teich-Droehnhorster-Weg/BPL-21-2-aend-Teilflaeche-suedoestl-Droehnhorster-Weg/21-2%20-%20Begruendung.pdf

Beschluß vom 31.Mai 2018 : http://www.stadt-reinfeld.de/index.php?option=com_wrapper&view=wrapper&Itemid=169


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