Neu: Preisverleihung!

Heute verleihen wir die “Kleine Zeitmaschine am silbernen Band”. 

Die Planung der neuen Brücke ist ein Paradebeispiel von stückeliger, gedankenloser und rückständiger Verkehrsplanung.

Wie kann es sein, dass auf der neuen Brücke eine Spurbreite pro Fahrbahn von 5,15m(!!) durchgesetzt wurde – sich Radfahrer und Fußgänger aber bergauf eine relativ schmale Spur teilen müssen?! Dass große LKWs normalerweise, auch auf Autobahnen, mit deutlich schmaleren Fahrspuren zurechtkommen, spielt anscheinend keine Rolle.

Wie kann es sein, dass Radfahrer in der Feldstraße zwischen B75 und Grootkoppel überhaupt keinen Radweg bekommen sollen, sondern gefälligst erst auf der alten Feldstraße verschwinden sollen, um dann die Straße Holländerkoppel zu queren, um die Brücke zu erreichen.
Für Schulkinder, die aus Richtung Stubbendorf kommen, ist das auch nicht so richtig schön.
Sowieso werden sich mit Sicherheit viele Pendler und Schulkinder den Umweg über die alte Feldstraße sparen und schnurstracks auf der Feldstraße Richtung Brücke fahren.

Und haben es alle endlich -hoffentlich unfallfrei- geschafft, auf die Brücke zu gelangen, geht der Spaß erst richtig los: stadteinwärts soll nun ein Hochbord gebaut werden. Aber nur direkt auf der Brücke. Fährt man dort wieder hinunter, müssen sich die Radfahrer unter extremer Vorsicht in den fließenden Verkehr einfädeln. Ohne Radspur.
Laut Erhebungen werden zu Spitzenzeiten etwa 1.340 Autos in der Stunde erwartet. Ganz schön starker Verkehr.

Dummerweise werden aber viele Pendler, die stadteinwärts fahren, direkt hinter der Brücke rechts auf den Parkplatz abbiegen wollen. – Und mehr oder weniger gleichzeitig werden etliche Schüler auf ihren Rädern geradeaus weiterfahren wollen… Braucht es tatsächlich so wahnsinnig viel Voraussicht und Vorstellungskraft um auf den Gedanken zu kommen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es Unfälle geben wird?

Und haben nun alle das Einfädeln in den Verkehr überstanden, müssen sie durch den Kreisel in die Stadt. Selbstverständlich auch wieder ohne eine eigene Spur.
Wer schonmal als Radfahrer das Vergnügen hatte, von Autofahrern angepöbelt zu werden, man solle gefälligst von der Straße verschwinden, oder gar mit voller Absicht mit dem Auto von der Straße gedrängt wurde, wird sich sehr auf die Reinfelder Verkehrszukunft freuen.

Das Elend geht mit den Radlern weiter, die zum Bahnhof fahren wollen. Die müssen nämlich unten an der Brücke schnell -weil ja immerzu Autos kommen- vom Rad absteigen, und es über den Fußgängerüberweg schieben.
Haben sie es endlich zum Bahnhof geschafft und wollen ihr Rad abstellen, müssen sie seitlich hinter das alte Bahnhofsgebäude. Uneinsehbar. Wenn sie das Rad nach dem Arbeitstag, womöglich im Dunkeln, wieder abholen, müssen sie wieder in diese dunkle, uneinsehbare Ecke. Das wird sicher nicht nur für Frauen sehr unangenehm sein.

Dass mit diesen Planungen dringende Empfehlungen der Straßenverkehrsordnung sowie der übergeordneten Verkehrsaufsichtsbehörden mißachtet werden, lassen wir jetzt mal außen vor. Unser Thema sind die Menschen, auf die bei den Planungen keine Rücksicht genommen wurde.

Nicht nur Gesetze und Verordnungen haben sich verändert, sondern auch die Welt an sich.

Die “Kleine Zeitmaschine am silbernen Band” wird verliehen an diejenigen Politiker in Reinfeld, die noch immer in den 70er Jahren leben. Denen es überaus wichtig ist, dass der Verkehr überall möglichst schnell fließen kann. In deren Denken so etwas wie Radfahrer oder gar Schutz der Umwelt nicht existiert.
Wie in den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts.

Inwischen gibt es mehr Radfahrer, als jemals zuvor. Inzwischen sollte jeder mal die Worte Umweltschutz und Klimawandel gehört haben. Inzwischen gibt es sogar das Wort “Mobilitätswende”.
Die 70er Jahre sind vorbei!

Noch ist es nicht zu spät, noch könnte man die Planungen den bestehenden Verordnungen und der Lebenswirklichkeit anpassen.
Wir würden es großartig finden, wenn sich die Politik nochmal gründlich mit dem Thema beschäftigen würde. Und wenn es eine öffentliche Diskussion gäbe.

 

 

 

 


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